Frèdèric Chopin Edition Vol.6 – „Nocturnes“

chopin6 Nocturnes
„Überhaupt ist die Frage der richtigen Dosierung gewiss die allerheikelste, gerade beim Chopin-Spiel. Geht es um Gefühlsverstärkung, um Demonstration von Ausdrucksqualitäten? Wie rasch rückt dann solch ein versponnen um sich selbst kreiselndes Nocturne, wie etwa das bekannte und höchst beliebte in Cis-moll, op. postum, in die Nähe von Salonkitsch! Und wie zerbrechlich ernst kann es klingen, wenn die gleichen Mittel sparsam und gezielt eingesetzt werden, jeweils der Rhetorik einer Phrase unterworfen.
Diese Qualität zeichnet nicht nur das Spiel Nelson Freires aus, man findet sie auch beeindruckend dargeboten von Eugène Mursky, der ebenfalls vor kurzem ein neues Album mit Chopins Nocturnes herausgebracht hat. Mursky stammt aus Taschkent, in jungen Jahren war er Lev-Naumov-Schüler, mithin ist er ein Spross der sogenannten russischen Schule. Obgleich er seit einigen Jahren schon in Deutschland lebt und erfolgreich konzertiert, auch mehrere CDs veröffentlicht hat (dieses Nocturne-Doppelalbum ist bereits die sechste Folge einer Chopin-Gesamt-Edition), blieb Mursky bislang größere internationale Anerkennung versagt, unverständlicherweise. Als Zugabe spielt er am Ende des Programms, zum Vergleich, das frühe Es-Dur-Nocturne op. 9,2 noch einmal, auf einem historischen Erard-Flügel, Baujahr 1854: heller, kürzer, etwas stumpfer der Klang als beim Steinway. Aber sonst: Kaum ein Unterschied! Es kommt eben doch mehr auf den Pianisten an als auf das Instrument.“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hörbeispiele aus diesem Album:

Nocturne b-moll, op.9 Nr.1

Nocturne G-Dur, op.37 Nr.2

Nocturne c-moll, op.48 Nr.1

Profil/Edition Günter Hänssler 2009
Fotos: Rüdiger Schestag